Montag, 21. Februar 2011

Übersetzungsprobleme


Chorprobe mit dem deutsch-türkischen Chor, in dem ich seit einiger Zeit singe. 
Wir haben demnächst ein kleines Konzert in einer Kirche, in der wir christliche und islamische Lieder singen wollen. Darum lernten wir gestern ein religiöses islamisches Lied, ein Ilahi. Es heißt Sordum Sarı Çiçeğe. Auf deutsch: Ich fragte die gelbe Blume. 

Immer bin ich fasziniert von der poetischen türkischen Sprache. Ich habe ja lange türkisch gelernt, und beim Übersetzen und Singen kommen mir so viele Vokabeln wieder, die ich in irgendeiner hinteren Gehirnwindung vergraben habe.

Wie immer sprechen und übersetzen wir die Texte zunächst für alle. Dabei stolperten wir über das Wort "Evlat". Die türkischen Frauen suchten nach einer Übersetzung. "Kind" würde es heißen, aber doch nicht wirklich Kind, denn Kind heißt ja eigentlich Çocuk. Aber ein Evlat ist ein anderes Kind, ein Kind, für das es im Deutschen keine Übersetzung gibt. Ein Familienkind. So etwas wie Sohn oder Tochter, nur eben nicht geschlechtsspezifisch.

Wie ich diese Sprachunterschiede liebe! In einer Sprache spiegelt sich die Kultur des Landes, erst recht in der Sprache eines Liedes. 
Die Familie bedeutet alles in der Türkei. Während wir mit den Worten Onkel, Tante, Cousin oder Cousine schnell an unsere Grenzen kommen, haben die Türken noch Vokabeln für  die angeheiratete Tante mütterlicherseits. Ich vermute sogar, sie haben noch ein Wort für den Cousin des Großonkels väterlicherseits. 

Wunderschön sind auch die türkischen Vornamen. Die Türken nennen ihre Kinder Schneeglöckchen oder Rosenfrühling. Bei uns wäre das der Name für eine Elfe.

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