Donnerstag, 17. September 2015

Der Tod einer Lieblingsjeans


Wisst ihr noch, damals in den 70gern? Diese Frage ist natürlich nur an die Älteren unter euch gerichtet. Damals trug man Jeans, wie heute – wie immer. Sie mussten hell und abgewetzt sein, sonst galt man unter seinen Freunden als spießig und kapitalistisch. Das Problem war nur, dass man nicht, wie heutzutage eine abgewetzte und durchlöcherte Jeans kaufen konnte. Diesen Zustand musste man sich erst mühsam erarbeiten.
Wenn es also irgendwann mal wieder dran war, dass die absolute Lieblingsjeans auseinanderfiel (das kam alle 5 Jahre vor), musste man sie erst mühsam mit Scheuerpulver bearbeiten, bevor man sich mit diesem noch ziemlich dunkelblauen Ding zur Schule traute. Und dann zog man diese Jeans erst wieder aus, wenn sie auseinander fiel. Okay, es gab noch das Problem, dass man sie hin und wieder waschen musste, aber dann hockte man ziemlich nackig vor der Waschmaschine und wartete ungeduldig. Da sie nie so wirklich trocken war, wurde sie geföhnt und zuletzt etwas feucht übergestreift, damit man nicht mit der Ersatzhose los musste.
Meine Jeans hatten meistens Namen. Besonders gut erinnere ich mich an Billy. Das Modell klebte mir so eng an den Beinen, dass ich nur mit ausgestreckten Beinen am Schreibtisch sitzen konnte.
Was habe ich gelitten, als Billy so langsam das Zeitliche segnete. Erst kriegte sie einen Flicken auf dem Knie, dann einen auf dem Hinterteil … und als sie schließlich quer über dem Hintern einriss, wurde mir schmerzhaft bewusst, dass ich den Kampf gegen den Zerfall verlieren würde.
Das fiel mir heute ein, als meine absolute Lieblingsjeans das zweite Loch vorwies. Meine Jeans haben zwar keine Namen mehr, und ich habe auch mehr als eine, aber eine Lieblingsjeans habe ich immer noch. Wenn die endgültig ihren Geist aufgibt, ist mir schon etwas schwer ums Herz. Meist ist bei ihr dann auch so ein Zustand erreicht, dass ich sie noch nicht mal mehr in den Altkleidercontainer werfen mag. Aber sie in den Müll zu schmeißen, bringe ich erst recht nicht übers Herz. Vielleicht kriegt sie eine Zeitlang einen Ehrenplatz in meinem Kleiderschrank – für schlechte Zeiten… 

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