Montag, 25. Juni 2018

Freelancer – superReal


Seit einiger Zeit habe ich mich bei einer Unternehmensbörse registrieren lassen und bekomme die neusten Jobs für Autoren und Redakteure. Sie werden gegen Mitternacht per Mail verschickt. Wenn ich schlecht schlafe, lese ich sie nachts, und immer häufiger lässt mich das Lesen der Anzeigen ratlos auf mein Kopfkissen zurücksinken. Ich fühle mich müde, alt und irgendwie absolut inkompetent.
„Freelance Texter Digital -superReal“, damit geht es schon los. Was so lässig und modern daherkommt, ist eigentlich nichts weiter als ein Freier Mitarbeiter, versuche ich mich zu beruhigen. Aber was bedeutet superReal? Gehen die davon aus, dass ich vielleicht eine Fantasy-Figur sein könnte.
„Du verfasst user-zentrierte Texte für Fashion- und Lifestyle-Brands“, heißt es weiterhin.
Diese Anglizismen strengen mich an und nerven. Sie klingen so gewollt jugendlich. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ein Brand ist, ich kenne nur einen Feuerbrand, und der ist sicherlich nicht damit gemeint.
Weiterhin erfahre ich, dass ich Landingspages und Teaser texten soll, Content-Strategien entwickeln soll und gemeinsam mit einem Team aus UX und UI-Designern hochwertige Assets verfassen soll.
Okayyyyy? Content-Strategien sagen mir was, aber was ist ein Asset und was eine Landingpage? Klar, ich könnte das jetzt nachschlagen, aber ich merke, dass ich noch nicht mal Lust dazu habe, diese Energie aufzubringen. Denn wenn ich ganz ehrlich bin, stört es mich vor allem, dass ich in der Anzeige geduzt werde. Für mich hört sich das so an, als wenn man mich sowieso nicht besonders wertschätzt und vor allem, dass man mich schlecht bezahlen will.

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