Mittwoch, 26. September 2018

Schreiben für Ausländer



Seit einiger Zeit bekomme ich immer mal wieder Anfragen des Hueber-Verlages, Lektüren für jugendliche Ausländer, die deutsch lernen möchten, zu schreiben. Diese Arbeit ist eine echte Herausforderung. Eigentlich bin ich es ja gewöhnt, einfach zu schreiben. Aber diese Lektüren für Ausländer sind auf ein bestimmtes Sprachniveau festgelegt, das das Goetheinstitut mit A 1, A 2 oder B1 und B 2 definiert. A 1 beinhaltet beispielsweise einen Wortschatz von 650 Wörtern, auf den ich zurückgreifen muss. Ok, ich darf in Ausnahmefällen auch mal ein Wort verwenden, das nicht in der Liste steht, aber ich muss es dann mit diesem 650-Wörter-Wortschatz erklären. Das Schreiben mutiert damit zu einer Scrabble-Leistung. Mit einer Wortschatzliste an meiner Seite ringe ich um jeden Satz.
„Lotte sitzt in der hinteren Reihe und lässt Lasse nicht aus den Augen“, will ich zum Beispiel schreiben. Aber „hinteren“ ist nicht in der Liste. Ich verwende schließlich „letzten“. „Reihe“ ist natürlich auch nicht drin – das werde ich erklären müssen. Auch „aus den Augen lassen“ befindet sich nicht im A1-Wortschatz. Nach langem Suchen entscheide ich mich für „beobachten.“ So wird aus meinem Satz „Lotte sitzt in der letzten Reihe und beobachtet Lasse.“ Seien wir ehrlich – kreatives Schreiben sieht anders aus. Aber ich gehöre ja auch zu den Menschen, die gerne Sprachen lernen, und ich weiß, wie viel Spaß es macht, mal eine kleine Lektüre und nicht immer ein stures Arbeitsbuch zu lesen. Und ich weiß darum auch, wie schnell man auch gefrustet ist, wenn man zu viele Vokabeln nachschlagen muss.
Es gibt übrigens auch etwas Spannendes an meiner Arbeit. Seit ich diese Lektüren schreibe, ist der Zugriff auf meine Homepage international geworden – von Argentinien über Japan bis Uruguay ist alles vertreten!


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