Dienstag, 5. November 2019

Goldene Konfirmation



„Goldene Konfirmation? Da würde ich ja niemals hingehen. Ich kann mich überhaupt nicht an meine Konfirmation erinnern. Geschweige denn daran, wer in meiner Gruppe war“, so ein Freund.
Mir geht es anders. Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, an dem ich konfirmiert wurde. Es war der 4. Mai 1969, ein sonniger Frühlingstag, an dem wir alle ziemlich in unseren schwarzen Kleidern und Anzügen schwitzten – und nicht nur, weil die Sonne schien.
Jaja, damals wurde man noch in Schwarz konfirmiert, und wenn ich mir das Foto anschaue, das vor unserer Kirche gemacht wurde, sehen wir alle ein bisschen aus wie unsere eigenen Mütter und Väter.
Nun liegt die Einladung zur Goldenen Konfirmation vor, und ich weiß sofort, dass ich dahin möchte, nach Minden in die Petrikirche, um das Fest zu feiern, die anderen wieder zu sehen, aber auch, um mal wieder in einem Gottesdienst zu sitzen.


Jetzt ist es November, 50 Jahre später, aber auch dieser Tag ist sonnig und mild. Von unserer damals neunzehnköpfigen Gruppe haben sich sieben eingefunden. Auch der Pastor, der uns damals konfirmierte, hat es sich nicht nehmen lassen, uns an diesem Tag mit seinem Segen zu begleiten.
Die Kirche hat sich von einem düsteren Gotteshaus in einen hellen gemütlichen Vortragsraum verwandelt. Nur der Gottesdienstablauf ist unverändert – mit Orgel, Gebeten, viel Singen und einer guten Predigt. Meine Familie gehörte der evangelisch reformierten Gemeinde an, eine Abspaltung der Evangelischen Kirche, die sich ungefähr vom Evangelischen so verhält, wie Nussschololade zu Mandel-Vollmilch-Schokolade, für den einen ein großer Unterschied, für den anderen egal - Hauptsache Schokolade. Aber diese Gemeinde ist durch das Reformiert-Sein eine Besonderheit in Minden. Sie ist recht klein und hat einen großen Einzugsbereich. Das machte es vielleicht aus, dass man besonders zusammen hält. Viele meiner Mitkonfirmanden haben mich jedenfalls ein längeres Stück meines Lebens begleitet.
So ist auch das Wiedersehen ein bisschen wie ein Klassentreffen. Wir freuen uns, einander wieder zu sehen, erinnern uns an alte Zeiten, tauschen gute Gedanken aus und sind uns so vertraut, wie es Menschen sind, die eine gemeinsame Lebensgeschichte teilen.  
Ich genieße den Tag und nehme mir vor, viel häufiger mal wieder nach Minden zu fahren, endlich mal wieder einen Gottesdienst zu besuchen und vielleicht mal wieder in einem Chor zu singen.
Danke an alle, die dieses Treffen ermöglicht haben!



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