Mittwoch, 9. November 2011

Dumpinglöhne


 Heute stieß ich auf eine unglaubliche Stellenanzeige im Netz.
Lest und staunt:
„Wir suchen einen zuverlässigen Texter, der eine größere Menge an Texten zu Sehenswürdigkeiten schreibt.
Sie bestätigen uns, dass Sie der einzige Urheber der Texte sind und übertragen uns die uneingeschränkten, alleinigen Nutzungsrechte auf Ihrer Rechnung. Sie dürfen die Texte in keiner Form erneut verwenden. Wir erwarten Zuverlässigkeit und gute Ausdrucksweise.
Wir bieten:
- So viele Aufträge wie Sie möchten
- langfristige / unbegrenzte Zusammenarbeit
- 2, 00 Euro pro Text min. 250 Wörter

Hamma, oder? Zwei Euro für eine Stunde Arbeit mindestens, das ist doch ein Wort, oder? Dafür braucht man dann auch keine Klos oder Klinken zu putzen oder?
Darum hier meine Bewerbung:

Ich tu gerne füa si schreipen. Bei uns inne stat is so eine kirche. Üba di kann ich schreipen. Ich machs soga füa 1,99 €.
File grüse,  anete

(Foto: Ökopark, Belo Horizonte, Brasilien)

Dienstag, 8. November 2011

Interview Radio Lotte

Die Redakteurin Lena Borchardt hat das Interview zusammen gestellt, das ihre Kollegin Maria Neubauer mit mir geführt habt. Wenn ihr mögt, hört gerne rein.
Ein kleiner Fehler ist dabei am Ende aufgetreten. Die Klar-Reihe wird nicht eingestellt.

Noch ein paar Infos zu Radio Lotte: Radio LOTTE Weimar ist das überregional ausgerichtete Stadtradio in Weimar. Es ist unabhängig und nicht kommerziell. Seit 1999 ermöglichen rund 120 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein anspruchsvolles Programm. 
Das Team von Radio LOTTE ist Träger des Weimarpreises 2003. 

Ich danke euch für das Interview! 


Lesung in Haiger

Die Schule am Budenberg in Haiger liegt noch unter einer dichten Nebeldecke, als ich zu einer Lesung dort eintreffe. Hier bin ich schon oft zu Besuch gewesen, und mit der Lehrerin Mona Hübner verbindet mich mittlerweile eine liebe Freundschaft.
 








Die ersten Zuhörer treffen in der Turnhalle ein. Da ist noch Zeit für persönliche Gespräche.
Mein Büchertisch ist schnell belagert, und als ich ein Foto machen will, bestehen die Schüler darauf, ein Buch von mir in die Hand zu nehmen. 
Das würde ein tolles Werbeplakat werden...
Mona Hübner eröffnet die Lesung. Alle Schüler der Jahrgangsstufen 7-9 sind mit ihren Lehrern gekommen.
Ich lese, wie verabredet, aus dem Fortsetzungsteil des Chatbuches. Zuletzt schenke ich den Schülern das Buch, damit sie es vollständig lesen können.

Dann bleibt noch Zeit für einen Gang durch die Schule und die Besichtigung der Bücherhöhle. Hier treffe ich gleich auf interessierte Schüler, die mir Rückmeldungen über die Lesung geben. 
Ach, es ist doch immer so nett bei euch. Wenn ich noch mal in den Schuldienst käme, wäre ich am liebsten an eurer Schule!

Montag, 7. November 2011

Guerilla Knitting


Bad Lippspringe, der Ort, in dem ich seit vielen Jahren lebe, ist ein kleines beschauliches Städtchen am Rande des Teutoburger Waldes. Besondere geschichtliche Ereignisse haben sich hier nicht abgespielt - außer ein paar Papstbesuchen vielleicht. Die Menschen gehen friedlich ihrem  Alltag nach, das Stadtfest und das Schützenfest sind die einzigen Attraktionen im Jahr.

Nun aber haben sich ausgerechnet in dieser Stadt ein paar Aktionskünstler zusammen gefunden, um einen Guerillakampf ins Leben zu rufen. Sie bewaffnen sich mit einer Häkelnadel und strömen in die Stadt, um Bäume und Lampenpfähle zu umhäkeln.

Zuerst sah man ihrem Treiben belustigt, dann stirnrunzelnd zu, als sie plötzlich aber auch noch begannen, den ehrwürdigen Lippspringer Schäferbrunnen zu umhäkeln, regte sich Widerstand.

„Ist das Kunst, oder kann das weg?“, fragten die Bürger aufgebracht.

Ein Experte wurde zu Rate gezogen.

„Kunst“, bescheinigte er. „Guerilla Knitting.“

Die Häkelgruppe feierte ihren Sieg.

Schön bunt sieht es aus.

Und jetzt bin ich gar nicht mehr so sicher, ob die nächste Revolution vielleicht sogar von Bad Lippspringe ausgehen könnte… 
(Foto: Bad Lippspringe)

Sonntag, 6. November 2011

Aussteigen oder standhalten?

Die Entscheidung, aus der Schule auszusteigen, um nur noch zu schreiben, fiel lange bevor sie für mich Realität wurde. Zunächst war sie nur ein ferner Traum, eine Idee, eine Fantasie.
Ich erinnere mich noch gut an den Tag der Entscheidung.
Ich saß mit einer Gruppe von Lehrern in einem Gestaltpädagogik-Seminar.  Ein Teilnehmer, müde und unglücklich über seinen Schulalltag, hatte den Impuls in die Gruppe gebracht: „Am liebsten würde ich aussteigen.“
Da wurden wir alle lebendig. Aussteigen aus dem System, frei sein, neue Wege gehen, das wollten wir alle gerne. Doch die finanziellen Gründe, so glaubten wir, hielten uns an unserem Platz gefangen. 
Unser Trainer lud uns schließlich zu einer Übung ein.

„Stell dir vor, du hättest die freie Wahl. Stell dir vor, es gäbe eine Lehrerschwemme und die Schulverwaltung bietet dir an,  bei vollem Lohnausgleich aus deinem Beruf auszusteigen.  Wie würdest du entscheiden?“
Erst lachten wir vergnügt bei der Vorstellung, die große Freiheit vor Augen zu haben. Doch dann wurde auch der Blick auf die schöne Seite des Berufes frei. Auf die Lebendigkeit, mit  den Schülern zu arbeiten, auf den netten Kontakt zu Kollegen. Viele wurden nun nachdenklich. Zögerten plötzlich.
Wir bekamen die Aufgabe, einen Brief an die Gruppe zu schreiben.
Aussteigen, ja oder nein. Wie entscheidest du dich?
Erzähle der Gruppe aus deinem Leben, drei Jahre später.

Die Mittagspause verlief schweigend. Jeder saß in irgendeinem Winkel des Tagungshauses und schrieb.
Dann gab es die große Präsentation. Einer nach dem anderen trat vor die Gruppe und las seinen Brief vor. Das war ein spannender Moment. Einige Teilnehmer hatten sich für das Aussteigen entschieden. Andere waren in der Schule geblieben. Jeder Brief war eine große Überraschung. Nichts war vorhersehbar.
Ich hatte mich bei dieser Fantasieübung für das Aussteigen entschieden - und für meinen Traum vom Schreiben.

Erst viele Jahre später, als der Berg an unpädagogischen Anweisungen von den Schulbehörden größer, die Kontrollen schärfer und der Ton härter wurde, beschloss ich tatsächlich, meine Schultasche zu packen.
Eine wundervolle Entscheidung!

(Foto: Lappland, Schweden)

Samstag, 5. November 2011

Präventionstage in Kassel

Heute gingen die Präventionstage zum Thema Gewalt und Alkohol in Kassel weiter, und wieder war ich zu zwei Lesungen eingeladen.
Ein wunderschöner Sonnenaufgang begleitete mich auf der Fahrt. 
Die erste Lesung fand in der Stadtbibliothek in der Innenstadt statt. Zwei neunte Klassen waren eingeladen - außerdem waren ein paar Leute vom Hessischen Fernsehen gekommen. In den Lokalnachrichten sollte ein Bericht über die Präventionswoche erscheinen.
"Das macht doch nichts, oder? Ist doch nur ganz kurz", sagte der Kameramann.
Ups - so ganz medienerprobt bin ich nun auch wieder nicht, dass ich das einfach so wegstecke. 
Aber die Schüler blieben cool, auch als der Kameramann irgendwann direkt neben mir stand und abwechseln die Schüler und mich filmte, und zuletzt auch noch die Kamera über meine Schulter ins Buch richtete.
Ich las noch einmal aus dem Chatbuch und aus dem Buch "Abgemixt". Anschließend hatten die Schüler viele Fragen. 
Danach war ich in der Jugendbücherei eingeladen, die nur ein paar Straßen weiter lag. Hier war eine siebte Klasse zu Besuch. Sie hatten vorher eine Führung durch die Bücherein mitgemacht und sich verschiedene Bücher ausgeliehen.
Für sie las ich aus dem Buch "Sauf ruhig weiter, wenn du meinst", und wir redeten über das Thema Alkohol. Die Jugendlichen waren sehr aufmerksam. Das Thema interessierte sie sehr. 

Insgesamt war ich mit diesen Lesungen rundum zufrieden - aufmerksame Schüler, interessierte Lehrer und immer eine freundliche Begleitung und Vorbereitung in den Büchereien.
Im nächsten Jahr bin ich zur Lesefieberwoche wieder in Kassel. Darauf freue ich mich schon sehr.

Donnerstag, 3. November 2011

Lesungen in Kassel

Nach einer langen Schreibzeit tut es unheimlich gut, mal wieder unter Lesern zu sein und die Reaktionen auf die geschriebenen Texte mitzuerleben.
Heute in Kassel hatte ich sogar die Gelegenheit, mein volles Repertoire zu zeigen ; ))
Die Stadtbibliothek Kassel führte Präventionstage durch, die unter dem Motto "Alkohol und Gewalt im öffentlichen Raum" standen. Dazu sollte ich heute und auch morgen in verschiedenen Stadtteilbüchereien vor verschiedenen Schülergruppen lesen.

Zunächst war die 4. Klasse einer Grundschule in die Stadtteilbibliothek Waldau eingeladen. Sie waren natürlich zu jung für irgendwelche Gewalt- oder Alkoholtexte. Ich hatte mir für sie Ratekrimis herausgesucht, bei denen es darum ging, den Täter zu überführen. Das war richtig lustig und die Schüler waren total schlau und hatten genau zugehört. 

Danach war das Kontrastprogramm angesagt. Eine kleine Gruppe von Zehntklässlern wartete in der Georg-August-Zinn-Schule auf mich. Hier las ich unter anderem aus "Abgemixt". Die Schüler interessierten sich sehr für die Jugendlichen, mit denen ich die Biografien zusammen geschrieben habe. Ich erzählte, wie ich sie kennen gelernt hatte, berichtete auch von meinen Besuchen im Gefängnis.


Zuletzt warteten zwei sechste Klassen der Johann-Amos-Comenius-Schule (in Kassel haben die Schulen immer so seltsame Namen) auf mich. Sie hatten sich ausdrücklich das Buch "Im Chat war er noch so süß" gewünscht. Ich las Ausschnitte daraus und redete dann mit den Schülern über das Thema. Auch die Schüler waren total aufmerksam, obwohl die Mittagspause anstand und die Schüler schon einen vollen Vormittag hinter sich hatten. 
Liebe Grüße noch mal an euch alle - und danke für eure Gastfreundschaft.

 


Mittwoch, 2. November 2011

Lesungszeiten

In der nächsten Zeit bin ich wieder viel zu Lesungen unterwegs. November und Dezember sind Lesemonate. 
Ich freue mich darauf, mal wieder in Schulen und Büchereien zu sein und echte lebendige Schüler zu sehen.
Hier sind meine nächsten Lesetermine:
3.11. und 4. 11. Lesungen in Kassel
8.11. Lesung in Haiger
10.11. Lesungen in Oelde

vom 14.11.-18.11.
Lesereise durch Niedersachsen:
14.11. Lesungen in Edemissen
15.11. Lesungen in Munster
16.11. Lesungen in Loxstedt
17.11. Lesungen in Elsfleth
18.11. Lesungen in Hesel

24.11. Lesung in Gummersbach
29.11. Lesung in Northeim
7.-8. 12. Lesungen in Witten

Vitamine

Was neue Ideen betrifft, da lässt sich mein Mann gerne von seinen Studenten inspirieren. Danach recherchiert er  lange querbeet im Internet, und dann hat er`s. 
Sein neustes Experiment heißt "Smoothie", kleine selbstgemixte Vitamindrinks.
Auf der Stelle kaufte sich mein Mann einen Pürierstab und Berge an Obst und Gemüse, beschlagnahmte die Küche - und voilà: Es gab den ersten Drink.
"Ich mache mir mal `n Kaffee", winkte Nils ab.
Der erste Smoothie schmeckte nämlich ziemlich sauer und tierisch nach Melone.
Der nächste war schon besser. Mit Banane und Kiwi. Dazu Joghurt.
Der neuste mit Banane, Möhren, Joghurt und Melone war richtig lecker und unheimlich rosa. Allerdings lag er auch ziemlich schwer im Magen.
Wir waren gerade auf dem Weg zum Supermarkt - plötzlich...
"Ich glaube, ich muss mal auf`s Klo!"
"Ich glaube, ich auch."
Der Einkauf verlief ausgesprochen kurz. Wir konnten es kaum erwarten, wieder zu Hause zu sein. Dann rannten wir in verschiedene Richtungen. 
Wie gut, dass wir zwei Badezimmer haben...

Dienstag, 1. November 2011

Lauftraining

Heute ist Traumwetter für ein Halbmarathon-Training. Also startete ich direkt von Zuhause aus. Zockelte einmal durch das Nachbardorf. Flitzte dann durch den schönen Lippspringer Kurwald. Eigentlich kenne ich den so gut wie meinen Schuhschrank. Bis auf diesen einen wunderschönen Weg an einem kleinen Bach entlang. 
Wenn ich den laufe und die nächste Abzweigung links nehme, bin ich wieder am Kurpark, so dachte ich. 
Das Problem war aber: Es kam keine Abzweigung. So lief ich weiter und weiter, und weiter und weiter. Bis ich schließlich am anderen Ende von Lippspringe heraus kam. Wenn ich jetzt ein Handy dabei gehabt hätte, hätte ich vielleicht meinen Mann gebeten, mich von hier mit dem Auto abzuholen. Aber ich hatte kein Handy dabei. So rannte ich den langen Weg zurück nach Hause.
Resultat: 16,8 Kilometer. 
Geht doch! 

(Foto: Langes Tal, Schlangen)