Montag, 17. Oktober 2016

Lesungen in Wien


Der erste Lesungstag in Österreich liegt hinter mir, und er war echt klasse. Die neue Mittelschule Friesgasse in Wien hatte mich für vier Lesungen in den Jahrgangsstufen 5-8 eingeladen. Wenn man sich durch die Jahrgangsstufen liest, hat man die Möglichkeit, in jeder Gruppe ein anderes Buch vorzustellen. Das war natürlich für mich sehr abwechslungsreich. Alle Klassen waren sehr zugewandt und aufmerksam – aber bei den Achten war es ganz besonders toll.
Euch allen liebe Grüße und danke für die Einladung.  




Sonntag, 16. Oktober 2016

Annette in Wien

 
Nun bin ich in Wien. Die geschichtsträchtigen Gebäude lächeln mich links und rechts der breiten Straße an, und ich habe Mühe, mich auf den Verkehr zu konzentrieren.
Wieder schicke ich dem Erfinder des Navis einen innigsten Dank. Mit seiner Hilfe komme ich genau dort an, wo ich hin muss.
Zuerst erledige ich alles, was für die Lesung morgen wichtig ist. Ich checke im Hotel ein und suche die Schule, in der ich zu Gast sein werde. Aber dann ist noch Zeit für einen schönen Bummel.
Da ich einfach nicht zu den Jetsettern dieser Welt gehöre, sondern in Großstädten schnell Angst habe, im Gewirr der U-Bahn-Netze verloren zu gehen, mache ich mich zu Fuß auf den Weg. Das Schloss Schönbrunn ist fußläufig zu erreichen. Ich gehe durch den warmen Herbsttag und genieße dieses internationale Event von aufgeregten Menschen mit Handys und Selfiesticks. Wer war denn eigentlich Maria-Theresia? Der Star bin ich!


Samstag, 15. Oktober 2016

Grüße aus Österreich


Endlich grüße ich euch aus dem Land der Dirndl, der Geranien und der Zwiebelturmkirchen. Ehrlich, so ein ganz ganz bisschen finde ich immer, dass Österreich wie eine Fototapete aussieht, aber ich weiß natürlich, dass das nicht an Österreich liegt, sondern an der Fototapete…
Ich bin unheimlich erleichtert, dass ich diese Lesereise diesmal antreten kann. Im Frühjahr hatte mir eine Agentur schon mal eine perfekte 10-tägige Lesereise durch Österreich organisiert, und dann musste ich schweren Herzens absagen, weil sie in die Bestrahlungszeit meiner Krebserkrankung fiel. Jetzt war die Agentur vorsichtiger, hatte nur drei Tage geplant, und schon sah es wieder so aus, als wenn ich absagen müsste. Aber nun ist es mir doch möglich, mich nun auf die weite Reise zu machen.
Es tut mir gut, rauszukommen. Das Wetter ist toll, und wenn ich erst mal die nervigen Radiosender von NRW hinter mir gelassen habe, kommt auch das Autofahren gut in Schwung.
Montag beginnt meine Lesung in Wien. Zwei Tage habe ich mir für die Fahrt gegeben. Erste Station heute ist Grieskirchen, ziemlich dicht hinter der deutschen Grenze. Ich genieße den Bummel durch die kleine hübsche Stadt. 

Dienstag, 11. Oktober 2016

Ein Nachruf


Das letzte schöne Geschenk, was ich ihm noch machen kann, ist, ihm einen Nachruf zu schreiben. Ich frage bei der Zeitung nach. Die Antwort ist eher reserviert. Man spricht mir herzliches Beileid aus. Aber ein Nachruf?
War Ihr Vater denn ein Funktionsträger in der Stadt? Ansonsten könnte man ja jeden Tag seitenweise Nachrufe auf irgendwelche Verstorbenen veröffentlichen, heißt es.
Ups – das ist jetzt nicht so feinfühlig. Aber ich kann es verstehen. Es ist ja nicht üblich, dass eine Tochter einen Nachruf auf ihren Vater schreibt. Da hat man Angst vor persönlichen Gefühlsduseleien.
Ich teile der Redaktion mit, dass mein Vater Studiendirektor am örtlichen Gymnasium war und zahlreiche Schülergenerationen zum Abitur geführt hat und dass es durchaus üblich ist, einem Studiendirektor einen Nachruf zu schreiben. Ich erwähne außerdem, dass ich beruflich schreibe, und es mir darum leicht fällt, einen Artikel zu schreiben, ich der Redaktion außerdem gerne die Recherche ersparen möchte. Und dann füge ich den Nachruf einfach als Attachement an – zusammen mit einem Foto. Das scheint dann doch zu überzeugen, aus welchen Gründen auch immer. Der Text erscheint heute in der Tageszeitung.
Mein letzter Gruß… 


Wer den Nachruf noch lesen möchte: Hier ist er. 

Nachruf von Wilhelm Weber

Er galt als Lehrer, der unverwechselbar war in seinem manchmal etwas schrägen Humor, seinen klaren Worten, seiner freundlichen Gerechtigkeit und seiner Fähigkeit, auch mal über sich selbst zu lachen.
Wilhelm Weber war fast 20 Jahre lang als Studiendirektor am Marianne-Weber-Gymnasium in Lemgo tätig und unterrichtete dort die Fächer Mathematik und Physik. Immer war er auch als Klassenlehrer in der Oberstufe eingesetzt und führte auf die Weise zahlreiche Schüler zum Abitur.
Geboren und aufgewachsen war der markante Pädagoge in Lemgo in der Kluskampstraße, in der er mit seinen Eltern und seiner Schwester lebte. Auch wenn seine Kindheit nicht immer einfach war, erinnerte er sich doch an viele lustige und unbeschwerte Momente. Nach der Schulzeit wurde er noch kurz vor Ende des Krieges zum Militärdienst einberufen und geriet in Kriegsgefangenschaft. Nach der Entlassung zog der zum Studium nach Kiel, wo er das Lehramt für Gymnasien studierte. Er erhielt seine erste Stelle als Studienassessor in Minden und lebte hier mit seiner Frau und seinen drei Töchtern fast 16 Jahre lang. Doch stets blieb es sein Wunsch, eines Tages wieder nach Lippe zurück zu kehren, denn „einen Lipper zieht es immer in die Heimat zurück.“ So bewarb er sich als Studiendirektor am Marianne-Weber-Gymnasium und zog mit seiner Familie wieder nach Lemgo.
Seinen Schülern blieben viele anschauliche und treffende Sprüche in Erinnerung, mit denen er seinen naturwissenschaftlichen Unterricht würzte, wie z.B.: „Das Elektron verhält sich genauso wie ein Schüler. Es sucht sich immer den bequemsten Weg.“ Und wenn eine Klasse mal komplett aus dem Ruder geriet und man in der Konferenz beschloss: „Da muss jetzt aber mal ein Mann rein – am besten der Weber“, dann schaffte er es innerhalb von kurzer Zeit, mit der Schülertruppe klar zu kommen.
Auch nach seiner Pensionierung war Wilhelm Weber nicht untätig. Er ging oft auf Reisen, malte gerne oder genoss die freie Zeit in Vereinen und im Garten.
Zuletzt wurde sein Gesundheitszustand immer beschwerlicher, sodass er das letzte Jahr im Seniorenheim am Schloss in Brake verbrachte, wo er im Kreise seiner Familie im Alter von 91 Jahren starb.
Er wird vielen eindrücklich in Erinnerung bleiben. 

Freitag, 7. Oktober 2016

Mein Vater


Ein Vater ist ein Vater ist ein Vater … Wenn es Väter zu kaufen gäbe, ich bin mir sicher, mein Vater wäre für mich wieder in die engere Wahl gekommen. Ein Vater wie er, aber mit einer etwas feinfühligeren Seite wäre der absolut perfekte Typ gewesen. Aber man nimmt, was man kriegen kann, und das war schon mal ziemlich gut!
Ich habe durch ihn gelernt, klar hinzuschauen und die Schwierigkeiten, die sich mir in den Weg stellten mit Mut, Stolz und festem Willen anzupacken. Ich habe auch gelernt, mir schnell eine Meinung zu bilden und sie kraftvoll zu vertreten – und wenn ich im Laufe der Zeit festgestellt habe, dass die Meinung nicht richtig war, habe ich sie korrigieren können und mir verziehen, eine Weile in eine falsche Richtung gelaufen zu sein.
Ich habe es gemocht, mit ihm zu diskutieren, mit ihm die Dinge zu analysieren und über verschiedene Ansichten zu streiten. Er war immer da. Und jetzt fehlt er sehr.
Der Tag morgen wird ein Berg für uns alle, doch wir haben ja gelernt, den Dingen, die getan werden müssen, nicht auszuweichen. Ihm würde es gefallen. 

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Herbst



An einem leuchtenden Herbsttag hat sein Körper diese Erde verlassen. Es ist ihm schwergefallen, zu gehen. Unsere Tränen wünschen ihm alles Gute für die letzte Reise.
Die Zeit zwischen Tod und Begräbnis ist eine offene Wunde.  

Dienstag, 27. September 2016

Noch ein Abschied



Seit vier Tagen liegt er nun im Koma. Von Tag zu Tag wird es unwahrscheinlicher, dass er zurück ins Leben findet. Seit Gesicht ist schmal und eingefallen, die Nase spitz, der Atem geht gleichmäßig. Nur manchmal jammert er im Schlaf.
Er hatte ein langes Leben, ein gutes langes Leben. Nun muss auch er Abschied nehmen. Er, der so gerne gelebt hat. Das fällt ihm schwer. Und uns auch.
Aus allen Himmelsrichtungen kommen sie angereist. Kinder und Enkelkinder sitzen an seinem Bett, reden mit ihm, sagen Lebewohl.
Der Besuch führt uns alle zusammen. Es ist gut, dass wir uns haben.
Wir bummeln gemeinsam durch den kleinen Ort, ein Ort, der vor allem in Zusammenhang mit ihm dieser besondere Ort ist. Er erstrahlt diesmal besonders schön in dem warmen Herbstlicht.
In einem Bistro auf dem Marktplatz stärken wir uns bei einem guten Essen und reden über Gott und die Welt – und über ihn.  

Dienstag, 20. September 2016

Die Welt dreht sich



Mit zunehmendem Alter wird man immer müder, sich auf neue Dinge einzustellen, vor allem dann, wenn die alten Sachen voll in Ordnung waren. Ständig macht irgendeine App ein neues Update, und nervt damit so oft, dass ich es schließlich deinstalliere. Auch diese für mich lebenswichtigen Programme verändern sich immer wieder. Dabei waren sie doch total ausgefeilt, und es macht so unendlich viel Mühe, sich an einen neuen Arbeitsplatz zu gewöhnen.
Am ärgerlichsten aber finde ich im Moment, dass es mein Auto, so wie ich es liebe, nicht mehr gibt. Ich fahre diesen Rentnerhochsitz – diese kleine A-Klasse von Mercedes. Und okay, es gibt die eine oder andere Verbesserungsmöglichkeit. Aber ich bin noch nie ein Auto gefahren, das mir so gut gefallen hat. Jetzt gibt es sie nicht mehr. Die neue A-Klasse hat sich zu einem tiefergelegten Sportwagen verändert. Was soll ich denn damit?
Leider brauche ich bald ein neues Auto – die Kilometer, die ich im Jahr auf die Straße lege, verbrauchen Motor und Getriebe. Aber ich verzweifele an der Suche nach einem adäquaten Modell.
Warum dreht sich die Welt bloß immer schneller. Ich will ja nicht, dass sie stehen bleibt. Ich will ja nicht zurück zu Karteikarten und Brieftauben. Aber ein bisschen Rücksicht könnte sie auch mal auf mein Alter nehmen… 

Samstag, 17. September 2016

Ich in der NW


Manchmal kommt man völlig ohne Vorwarnung an ein Interview und ein Foto in allen möglichen Tageszeitungen, ohne dass man Zeit hatte, sich kurz überzukämmen, den Kajalstift noch mal aus der Tasche zu ziehen und sich ein paar kluge Sätze zurecht zu legen.
Ich bin auf der Tagung des Friedrich-Bödecker-Kreises in Hannover. Da ich eine lange Zeit im Stau stand, bin ich auf den letzten Drücker gekommen. Die Tagung startet mit meinem Eintreffen. Ich kann noch ein paar Bekannten zuwinken, dann geht es los, Begrüßungsrede an Begrüßungsrede. Ich bin verschwitzt, freue mich unbändig auf eine Flasche Wasser und dann auf einen starken Kaffee. Und natürlich auf das „Hallo, schön dich wieder zu sehen… du auch hier … Mann wir haben uns ja lange nicht gesehen…“
Endlich ist die letzte Rede geschwungen. Ich springe auf, um im Foyer nach einem Wasser zu fischen, da stellt sich mir ein Mann in den Weg.
„Ich würde gerne ein Interview mit Ihnen machen“, sagt er.
Ich bin mir ganz sicher, dass er sich vertan hat.
„Mit mir?“, frage ich. „Das muss ein Irrtum sein.“
Immerhin sind auf der Tagung viele hochkarätige Autoren.
Doch er ist sich ganz sicher. „Sie sind doch Annette Weber“, sagt er. Und das kann ich nicht abstreiten.
Wir einigen uns darauf, dass ich mir schnell ein Wasser hole. Dann stelle ich mich zu ihm.
Er heißt Joachim Göres und ist als freier Redakteur für verschiedene Zeitungen, u.a. die Neue Westfälische und die Taz tätig. Er hat viele ziemlich schwere Fragen, und es kostet mich Mühe, mich zu konzentrieren, zumal aus verschiedenen Ecken verschiedene Menschen ein Hallo herüber winken. Der Schweiß läuft mir den Rücken hinunter.
Dann muss ich auch noch für ein Foto zur Verfügung stehen – eins drinnen und ein draußen.
Irgendwie sieht man mir an, dass ich noch ziemlich fertig bin. Aber immerhin, ich strahle. Tat ja auch gut, mal gefragt zu werden.
Und wer sich den ganzen Artikel anschauen möchte, kann in hier nachlesen. 

Donnerstag, 15. September 2016

Lesung in Leopoldshöhe


Gestern war ich zu einer Lesung an die Grundschule Leopoldshöhe eingeladen. Diesen kleinen und hübschen Ort kenne ich noch aus meiner Referendarzeit, die ich in Bielefeld verbracht habe. Wir mussten von dort aus zu Supervisionen an verschiedene Schulen fahren, und da fiel der Ort Leopoldshöhe immer durch besonders kreative Schulen und supernette Schüler auf. Das Bild hat sich nicht verändert. 
Die Schüler waren bei meiner Lesung unglaublich aufmerksam, stellten kluge Fragen, schlugen sich vorbildlich durch meine Lesespiele … es hat total Spaß gemacht, dort zu sein.
Sowieso genieße ich es zwischendurch immer, mal wieder an der Grundschule zu sein. Dieser Ort ist mir immer so vertraut, dass ich schon einmal versehentlich nach einer Lesung ein Klassenbuch mitgenommen habe ; ))
Vielen Dank für die Einladung und liebe Grüße in den lippischen Westen.