Sonntag, 15. Januar 2012

Mein Lieblingswort

Natürlich habe ich Lieblingswörter. Mondscheinsonate zum Beispiel. Oder Himmelsschlüssel.
Das Wort „Dann“ gehört nicht dazu. Dazu ist es ja viel zu klanglos. Trotzdem benutze ich dieses Wort unglaublich oft. So oft, dass irgendwann mal eine Lektorin die Nerven verlor und es mir rot unterkringelte.
Seitdem bin ich auf der Hut. Mit wachsamen Augen bin ich diesem „Dann“ auf der Spur. Doch sobald ich in Fluss gerate und meine Finger über die Tasten fliegen, ist es wieder da. Dann denke ich nicht mehr nach, sondern dann schreibe und schreibe ich, und dann schleicht es sich von ganz allein in die Geschichte. Dann kann es sogar sein, dass ich den Text wieder und wieder lese und das Dann dann doch nicht wieder erkenne.
Seit einiger Zeit geht kein Text mehr raus, bei dem ich nicht vorher den Dann-Test gemacht habe. Ich lasse dann das Dann suchen und markieren, und manchmal trifft mich dann echt der Schlag.  In Spitzenzeiten komme ich  dann nämlich auf acht Danns pro Seite.

Kommentare:

  1. Ja, das Problem mit dem 'Dann' kenne ich leider auch, es schleicht sich ganz unbemerkt in die Texte.

    Ob es vielleicht unserem tief verwurzelten Impuls Ausdruck gibt, unser Leben zu einer erzählbaren Geschichte zu machen; schon Kinder fragen ja immer: "Und dann? Und dann?"

    So, und jetzt mache ich mich wieder von dannen ;-)

    Noch einen schönen Sonntag
    Morgenländer

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  2. Wow. Ich hab das Problem mit "und" als Satzanfang. Manchmal nützlich, gehäuft irgendwie albern. Aber man lernt ja nie. Aus. ^^

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  3. @ Morgenländer: Das ist ein wirklich guter Gedanke! Danke dafür!

    @ Diandra: Und wäre mein zweitliebstes Wort. Beliebt ist auch die Kombination "Und dann". Oh Gott, das dürften meine Schüler gar nicht hören! Das ist Aufsatzerziehung Klasse 3!

    LIebe Grüße eich!

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  4. Ich kenne eher das Problem, dass ich jeden Satz mit dem Namen des Agierenden anfangen möchte. So schlimm finde ich das mit dem DANN aber nicht. Außer dem Lektorat überliest das doch jeder.
    Das ist ein bisschen wie die das 'sagte er'. Findet man eine Alternative dazu, dann bekommt dieses Anhängsel eine Aufmerksamkeit, die es nicht verdient hat. Da liest man locker drüber weg. In 'Zwischen den Welten' ist mir jedenfalls kein übermäßiger Gebrauch an DANNS aufgefallen. Wenn die Geschichte spannend ist, dann achtet man nicht so sehr auf die Technik.

    Liebe Grüße
    Nikola

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  5. Doch, ich achte auch sehr auf die "Danns", aber nicht, weil ein Lektor mich darauf hingewiesen hätte.
    Es war ein Autor, der das ganz allgemein mal in einem Forum festgestellt hat. Ebenso betrifft es das "plötzlich", auf das ich seitdem vermehrt achte --

    LG
    Christa

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