Mittwoch, 19. April 2017

Besuch beim Gyldendal-Verlag

Kopenhagen hatte ich mir immer nur bei Sonnenschein vorgestellt. Damit ich nicht enttäuscht war, präsentierte sich diese kleine lebendige Hauptstadt tatsächlich von seiner besten Seite – Sonne pur. Ich hatte den Morgen über Zeit, durch die Stadt zu schlendern, ließ mich treiben, stand immer mal wieder vor schönen Kirchen, königlichen Bauten und Kanälen. Als ich in der Stadt auf einer Bank in der Sonne saß, kam sogar die königliche Wachablösung höchstpersönlich direkt an mir vorbei. Sie spielten Musik, ein Zeichen dafür, dass die Königin im Moment in Kopenhagen ist, wie ich erfuhr.
Um 12.00 Uhr hatte ich mich dann mit meiner Lektorin Louise Berg Nielsen zum Mittagessen verabredet. Wir verstanden uns auf Anhieb total gut und hatten uns viel zu erzählen.



Dann ging es zum Verlag hinüber, der mitten im Zentrum Kopenhagens liegt. Es ist der größte und traditionsreichste dänische Verlag, ein ungewöhnliches Verlagsgebäude mit Kult-Atmosphäre.
Nachmittags waren dann die Deutschlehrer zur Präsentation der neu erschienenen Lektüren für den Deutschunterricht eingeladen. Ich las aus meiner Lektüre „Der neue Bruder“ vor, Rasmus Therkildsen stellte einen besonderen Reiseführer über Berlin vor, der von Elise Burmeister extra in einfachem Deutsch und mit vielen Zeichnungen und Fotos für dänische Schüler geschrieben war.
Das Publikum war aufmerksam und sehr freundlich.
Danke noch einmal für die liebe Einladung. Ich hatte eine gute Zeit.  




Dienstag, 18. April 2017

Einladung nach Kopenhagen


Der Gyldendal-Verlag hat mich zur Vorstellung meines Buches nach Kopenhagen eingeladen und mich in einem riesengroßen und luxuriösen Konferenzhotel in der Nähe des Bahnhofs untergebracht. Das haben sie natürlich total lieb gemeint. Allerdings ist es aber immer so, dass mich diese gestylten Zimmer und die Lounge zum Abendessen total verschüchtern. Schon im Fahrstuhl versage ich kläglich, weil ich nicht kapiere, dass er sich nur in Bewegung setzt, wenn ich meine Schlüsselkarte einstecke…
Immerhin, das Zimmer habe ich gefunden, und den Blick von der Dachterrasse habe ich euch auch fotografiert. Das ist doch schon mal ein Anfang, oder?
Jetzt muss ich meinen Vortrag noch mal üben. 

Montag, 17. April 2017

Ostern

 

Wie bereits erzählt, verbrachte ich Ostern in diesem Jahr wieder auf dem Campingplatz bei meinem ältesten Sohn Alexander im Spreewald. Obwohl schlechtes Wetter angekündigt war, kamen zahlreiche Gäste, und wir hatten viel zu tun. Für mich ist es nett, mal was ganz anderes zu machen. Besonders gerne fahre ich den Shuttlebus. Ich mag Autofahren, und Bullis sind das Größte. Außerdem hat man endlich mal Zeit, mit den Gästen zu plaudern.
In diesen Ostertagen hatten wir auch Besuch von Sohn Nils und seiner Frau Julia. Das war total schön.
Oben auf dem Foto seht ihr übrigens die volle Crew des Campingplatzes, einschließlich Familienbesuch, unten sind noch mal Nils und Julia zu sehen.



Donnerstag, 13. April 2017

Morgens in einem Handyshop



Meinem Sohn ist das Handy hingefallen. Es leuchtet noch und das Coverfoto ist zu sehen. Beim typischen Handytouch allerdings tut es nichts. Mein Sohn ist tief erschüttert. Sein Handy trägt er immer bei sich, es ist mit ihm zu einer Person verschmolzen. Nur wenn er duscht, legt er es zur Seite – aber in Blickweite. Nun aber ist es definitiv zu einer Schachtel mutiert.
Er telefoniert mit deinem Reparaturservice – keine Chance noch vor Ostern. Schließlich greift er schweren Herzens auf ein älteres Modell zurück. Die Sim-Karte passt nicht. Ich biete ihm an, in den nächsten Handyshop zu fahren und eine zu besorgen.
Habt ihr den Morgen mal in einem Handyshop verbracht? Wenn zwei Kunden vor einem sind, bedeutet es echt eine Stunde Wartezeit. Da ich mir vorgenommen habe, mich in Geduld zu üben, betrachte ich es als Chance. Ich starre in der Gegend herum, ich schaue der Verkäuferin zu, ich lese meine Mails und antworte, ich scralle auf Instagram und Facebook herum.
Ein Kunde geht durch den Laden. Er berührt ein Handy und ein schriller Piepston ertönt. Die Verkäuferinnen bedienen weiter, als sei nichts geschehen. Ich verspüre einen leichten Tinnitus und frage höflich, ob man das Geräusch nicht abschalten kann. „Das geht leider nicht“, sagt die eine. „Das hört gleich von alleine auf.“ Es piepst weiter. Der Kunde berührt nun ein weiteres Handy. Ein weiterer schriller Ton erklingt – etwas höher als der erste. Der junge Mann stellt sich nun betreten in die Schlange hinter mich und steckt die Hände in die Tasche. Gemeinsam überlegen wir, was wohl passiert, wenn wir alle Handys berühren. Vielleicht erwirken wir ein Konzert. Das wäre das perfekte Youtube-Video.
Nun bin ich dann doch schnell an der Reihe.
Zwei Stunden später bin ich erneut auf dem Weg zum Handyshop. Ich habe eine falsche Karte gekauft. Macht nix – ich wollte mich ja sowieso in Geduld üben… 

Sonntag, 9. April 2017

Ostern im Spreewald

Pünktlich zu Ostern zeigt sich der Frühling von seiner nettesten Seite. Wie immer zum Saisonauftakt wird meine Hilfe auf unserem Campingplatz erwartet, den mein ältester Sohn mit seiner Frau und drei Mitarbeitern betreibt. Er liegt in Groß Leuthen, einem kleinen Dorf im Spreewald, nicht weit von Lübben entfernt.
Das schöne Wetter hat einige Touristen auf den Platz gelockt, viele Dauercamper sind ebenfalls rausgekommen. Wir haben ein schönes buntes Osterprogramm zu bieten, da wird jede helfende Hand gebraucht. Morgen werde ich mich in das neue Computerprogramm einarbeiten, außerdem bin ich für den Brötchenverkauf und den Shuttleservice eingeteilt. Und dann ist ja mein Job als Oma auch noch ziemlich gefragt.
Schreiben? Das geht natürlich immer!


Mittwoch, 5. April 2017

Landesgartenschau in Bad Lippspringe



„Noch 9 Tage“, zeigt die Digitalanzeige, dann beginnt in meinem Heimatort Bad Lippspringe die Landesgartenschau. Fast zwei Jahre lang war Bad Lippspringe eine einzige Baustelle. Sogar die lange Ortsdurchfahrt war immer nur in die eine oder in die andere Richtung zu befahren, und zwischendurch sogar mal komplett gesperrt. Das war eine harte Zeit. Nun sind zwar immer noch Baustellen zu sehen, aber man erkennt, dass alles in den letzten Zügen liegt.
Noch ist das eigentlich Wichtige der Gartenschau hermetisch abgeriegelt. Einige Insiderfotos versprechen, dass es sehr schön wird, aber es bleibt bis zuletzt eine Überraschung.
Ich bin ausgerechnet in diesem Jahr so viel unterwegs, dass es sich für mich nicht lohnt, eine Dauerkarte zu kaufen, verschenkt habe ich sie aber schon einige Male. Ansonsten freue ich mich mit allen, die ungeduldig warten, dass mein kleiner Heimatort endlich auch mal eine Attraktion zu bieten hat.  
  

Montag, 3. April 2017

Lektüren für ausländische Schüler


Im letzten Jahr habe ich mein Schreiben etwas umorientiert und einige Lektüren und Geschichten für Jugendliche geschrieben, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Dabei habe ich auch einen ganz neuen Verlag kennengelernt, den dänischen Verlag Gyldendal. Sie waren auf der Suche nach Deutschlektüren und suchten den Kontakt zu mir. Das hat mich total gefreut und sehr stolz gemacht.
In der vergangenen Woche ist nun die erste dieser Lektüren erschienen: Der neue Bruder. In den nächsten Tagen wird eine zweite Lektüre herauskommen, und nach Ostern bin ich nach Kopenhagen eingeladen, um die Bücher auf einer Deutschlehrertagung vorzustellen. Diesem Termin schaue ich schon mit ziemlicher Aufregung entgegen, wie ihr euch denken könnt.

Freitag, 31. März 2017

Gedenkstätte Andreasstraße, Stasi-U-Haft, Erfurt


Heute war ich im ehemaligen Stasi-Gefängnis Erfurt Andreasstraße, das zu einer Gedenkstätte und zu einem Museum umgebaut wurde. Ich muss sagen, ich war total berührt über das, was ich hier zu sehen bekam.
Es ist nicht so einfach, zu einem frühen Zeitpunkt die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten, ohne entweder zu kritisch-vernichtend oder zu beschönigend zu sein. In der Stasi-U-Haft-Zentrale in Erfurt ist genau das gelungen.




Schon der Bau des Gebäudes, die Mischung aus Modere, die sich mit der alten Haftanstalt verbindet, ist beeindruckend. Wenn man über die Flure wandert und in die Zellen schaut, drei Stockbetten auf engstem Raum, die Toilette ohne jede Privatheit, bekommt man einen unglaublichen Eindruck von Enge und Angst. Per Video schildern Gefangene ihre Eindrücke, geben Einblicke in die Haftbedingungen und den Alltag ihrer Gefangenschaft.

Eine Etage tiefer wird die Geschichte der DDR präsentiert, die Hoffnungen nach der Nazi-Zeit, die Euphorie, dass alles besser wird, die Skepsis und Enttäuschung und auch die Auflehnung.
Die untere Etage beschäftigt sich dann mit der Kraft, die aus der Enttäuschung wächst, die friedliche Revolution, die sich in ganz Thüringen zeigt und die schließlich die Wende herbeiführt.
Selten hat mich ein Museum so beeindruckt.


Mittwoch, 29. März 2017

Fotos im Zeitraffer


 

„Zeitraffer“ heißt eine Ausstellung von dem Erfurter Fotografen Sascha Fromm, die im Moment im Kunstforum im Gotha gezeigt wird. Wer gerne fotografiert weiß, dass Sport- und Tierfotografie zu den schwierigsten Gebieten der Fotografie gehört. Wenn man diese eindrucksvollen Fotos von Sascha Fromm anschaut, sieht man sofort, dass er totaler Profi ist – ein leidenschaftlicher Profi, auch das ist zu sehen. In jedem Bild spürt man die Gefühle des Augenblicks – Wut, Enttäuschung, unfassbares Glück, Anspannung.

Aber nicht nur Sportfotos sind in dieser Ausstellung zu sehen. In der oberen Etage finden Zeitdokumente ihren Platz, und auch sie sind sehr eindrucksvoll. Beate Zschäpe beim Prozessauftakt, Jubel auf der Berliner Mauer, ein Besuch beim Papst – unvergessene Augenblicke, die Emotionen aufkommen lassen. Übrigens berühren sie auch international – ich traf nämlich im Kunstforum auf eine Gruppe junger Flüchtlinge, die mit ihrem Deutschkurs zur Ausstellung gekommen waren. Auch sie zeigten sich überrascht und beeindruckt, zumal sie bei den Fotos über die Olympischen Spiele auch ihre Herkunftsländer wiederentdeckten. Sport verbindet eben, und die Bekanntheit eines Ronaldinho ist weltweit.


Montag, 27. März 2017

Lost Places

 

Um als Autor inspiriert zu werden, muss man nicht immer in schöner Umgebung sein. Besonders wenn in einem Roman ein Verbrechen passiert, wenn jemand auf der Flucht ist, wenn jemand seine Beute verstecken will oder er selbst irgendwo eine Zuflucht braucht, sucht man gerne nach Bauwerke, die so eine Handlung möglich machen. Diese Orte müssen für den Protagonisten auf irgendeine Weise zugänglich sein, auch wenn die Fenster verbrettert sind und ein Betreten-verboten-Schild den Zutritt verweigert, sie müssen aber auch geheimnisvoll wirken und Gefahren in sich bergen. 


Man findet diese Orte überall, besonders aber im Osten. Oft sind es Bauwerke, deren Vergangenheit nicht geklärt ist und sie darum auch für die Zukunft nicht zu verwenden sind. Es sind aber auch Häuser, deren Verfall so weit fortgeschritten ist, dass eine Renovierung besonders kostspielig ist. 
Mittlerweile haben diese geheimnisvollen Orte einen ganz eigenen Charme. Als „Lost Places“ deklariert werden sie von Fotografen geschätzt, besonders, wenn es sich bei ihnen um alte Schlösser oder Gutshöfe handelt.

Der Jugendroman, den ich hier in Gotha schreibe, spielt zu einem kleinen Teil in so einem Lost Places. So fotografiere ich bei meinem Spaziergang durch die Umgebung auch immer mal wieder die Häuser, die dem Zerfall ausgesetzt sind, und lasse mich von ihnen inspirieren.