Dienstag, 14. März 2017

Das Leben ist ein Hochseilakt

 
… besonders für die Hochseilartistengruppe Geschwister Weisheit, die in der ganzen Welt mit ihren einzigartigen Stunts und Attraktionen auftreten und sich doch seit Generationen in Gotha-Siebleben zu Hause fühlen. Heimat ist eben, wenn man nach langem Herumreisen weiß, wo man hingehört.
Noch befindet sich die Großfamilie in ihrem Gotharer Winterquartier, doch am 20. April geht es wieder auf Reise und Tagesordnungspunkte für die Familienbesprechung wie „Auslandsversicherung“ und „Arbeitsschutz“ hängen schon an Peter Weisheits Pinwand. Ich bin total glücklich, dass sie Zeit für mich gefunden haben und mich ganz selbstverständlich zu sich einladen. Peter Weisheit erzählt sehr lebendig von dem aufregenden Leben seiner Familie. Alles begann damit, dass sich um das Jahr 1900 der Büchsenmacher Friedrich Wilhelm Weisheit aus dem thüringischen Mehlis in eine Artistin verliebte und sie heiratete. Weisheit war ein großartiger Turner, und durch die Artistenfamilie hatte er die Möglichkeit, sein Hobby zum Beruf zu machen. Das Ehepaar machte sich mit einer eigenen Arena selbstständig. Die Familie wuchs, mittlerweile ziehen die Weisheits in 6. Generation mit 16 Familienmitgliedern durch die Welt (der jüngste Artist Charly ist 4) und begeistern das Publikum mit einem vielfältigen Programm. Von einer Motorradshow über die Köpfe des Publikums hinweg bis hin zu dem mittelalterlichen Gaukler der leichtfüßig über das Seil balanciert ist alles dabei.
Hochseilakrobatik ist nichts für schwache Nerven. Zu welchen Unfällen kommt es dabei, will ich wissen. Peter Weisheit winkt ab. Es ist schon alles sehr abgesichert, was sie in ihrer Show zeigen. Und dann erzählt er doch von dem schweren Unfall seines Bruders, einem erfahrenen Akrobaten, der aus 12 Meter Höhe mit seinem Motorrad abstürzte und viele Monate schwer verletzt im Klinikum lag. Der Unfall hatte bei aller Traurigkeit auch sein Gutes. Das Sicherheitskonzept wurde noch einmal verändert, und so ist es heute sogar möglich, ganz sicher direkt über die Köpfe der Zuschauer hinweg zu schweben, eine neue und beeindruckende Attraktion.



Aber die Weisheits sind nicht nur Akrobaten. Jeder von ihnen hat einen guten Schulabschluss gemacht und einen Beruf erlernt, den er in das Unternehmen einbringt. Sohn Max ist Mechatroniker und repariert die zahlreichen LKWs in der eigenen Werkstatt, Tochter Jasmin ist Fremdsprachenkorrespondentin und übernimmt die Moderation bei den Auftritten, sogar in Englisch und Französisch. Einer kann nähen, der andere schweißen und jeder hat einen LKW-Führerschein, sogar die jungen Frauen.
Und natürlich wird viel trainiert. Dreimal wöchentlich geht es ins Fitnessstudio, außerdem bietet der hauseigene Übungsraum die Möglichkeit, die Artistik auf dem Seil zu üben.
Jetzt habe ich nur noch einen großen Wunsch – die Gruppe mal life auftreten zu sehen. Leider sind die Weisheits in Thüringen im Moment nicht so oft zu sehen ( vom 24.-28. Mai in Kölleda und vom 31.8.-3.9. in Mühlhausen) – dafür gehen ihre Reisen durch die ganze Welt. Im vergangenen Jahr waren sie zum Beispiel in Warschau, Wien, Bangkog und sogar Hong Kong zu Gast.
Viele liebe Grüße und danke für den spannenden Nachmittag. Sollte ich mal einen Roman über ein Akrobatenkind schreiben, weiß ich, bei wem ich recherchieren muss.


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